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Angehörige
Angehörige von Brustkrebspatientinnen sind Lebenspartner und -partnerinnen, Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde, Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen, Nachbarn und Bekannte. Die Krebserkrankung verändert häufig Beziehungen, Freundschaften und Familiengefüge. Manche machen die Erfahrung, dass Bindungen enger und intensiver werden, für andere stehen Konflikte, Sorgen und Ängste im Vordergrund.
Die Erkrankung Brustkrebs löst auch bei Angehörigen einen Schock aus, denn sie werden mit der Diagnose meist ebenso überraschend konfrontiert wie die Patientinnen selbst.

Hier finden Sie Tipps und Informationen für Angehörige von Frauen mit Brustkrebs und Erfahrungsberichte von Angehörigen. Außerdem stellen wir Ihnen Literatur und Filme für Angehörige von Frauen mit Brustkrebs vor.
Erfahrungsberichte von Angehörigen
Eine junge Frau berichtet über ihre Gefühle und Ängste, als sie mit der Diagnose Brustkrebs bei ihrer Mutter konfrontiert wird.

Familiengeschichten. Zuerst die linke Brust... finden Sie am Ende der Seite.

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Hilfe für Angehörige
Wertvolle Tipps im Internet finden Angehörige auch bei Inkanet und beim Krebsinformationsdienst.

Hilfreiche auch lokale Anlaufstellen für Angehörige finden Sie auch beim Deutschen Krebsforschungszentrum.

Beim Tumorzentrum Berlin finden Angehörige auch telefonisch Unterstützung unter 030 - 8935429 (Mo, Do, Fr 10.00-13.00, Mi 14.00-17.00).
Das Krebs-Krisen-Sorgen-Telefon in Berlin ist auch für Angehörige geschaltet: 030 - 89094119 (Mo und Mi 10.00-13.00, Fr, Sa, So 18.00-21.00).
Beim Brustkrebstelefon des Krebsinformationsdienstes stehen täglich von 8:00 bis 12:00 Uhr unter 06221 - 42 43 43 ExpertInnen für alle Fragen im Zusammenhang mit Brustkrebs zur Verfügung.
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Literatur
Ratgeber
Hrsg. Deutsche Krebshilfe: "Hilfen für Angehörige", "Brustkrebs" und "Teamwork"
Sehr gute Broschüren aus der blauen Ratgeber Reihe, die kostenlos bestellt werden oder online gelesen werden können.

Gabriele Vetter: Wie kann ich helfen, wenn die Diagnose Krebs heißt? Kösel 2000.
Ein Ratgeber für Angehörige.

Stephan Tanneberger u.a.: Jemand in meiner Familie hat Krebs - Was kann ich tun. Zuckschwerdt 1995.

Hrsg. LAGO Brandenburg e.V.: Wegweiser Onkologie I, Krebs, was kann ich tun?
Eine Orientierungshilfe für Tumorkranke, Angehörige und Interessierte im Land Brandenburg. Bestellung über das Rechenzentrum der Uni Potsdam oder 0331 / 2707172.
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Erfahrungsberichte
Brendan Halpin: Schönes Leben noch. Schneekluth 2002.
Brendan Halpin schreibt die Überlebensgeschichte seiner Frau Kirsten nieder, die an Brustkrebs erkrankte. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind beide 32 Jahre alt und haben eine vierjährige Tochter.

Gerd von Kunhardt: Wie Brausepulver in den Zehen. Meine Frau hat Krebs. Brendow 2000.

Ruth Picardie: Es wird mir fehlen, das Leben. Rowohlt 2001.
Die Journalistin Ruth Picardie setzt sich in Emails und Artikeln mit ihrem frühen Brustkrebs und ihrem Sterben auseinander. Ihre Schwester und ihr Ehemann veröffentlichen und kommentieren diese nach ihrem Tode.

Joachim Seiler: Lügenzeit. Wenn der Partner an Krebs stirbt. C.H. Beck-Verlag 1996.
Joachim Seiler erzählt minutiös seine Erfahrungen mit der Krebserkrankung seiner Frau - von der Diagnose über die Behandlung bis zu dem Zeitpunkt des Abschieds, als die Ehefrau an Hirnmetastasen stirbt.

Marietta Stein: Plötzlich war der Morgen da - Chronik eines Abschieds. Fischer 1999.
Die Autorin erzählt über die lange Krebskrankheitszeit und den schwierigen Abschied von ihrer Lebenspartnerin Katrin, einer erfolgreichen Ausstellungsmacherin. Sie leidet bereits seit langem an Multipler Sklerose, als sie an Brustkrebs erkrankt. Marietta Stein beschreibt das lange Sterben ihrer Lebensgefährtin, den zwischen Hoffen und Bangen geführten Kampf gegen den Krebs und den Versuch der beiden Frauen, trotz strapaziöser Therapien eine erfüllte Beziehung zu leben.

Pieke Stuvel: Een bloes met armen. Podium 2001.
Das sensible Kinderbuch "Eine Bluse mit Armen" kommt aus den Niederlanden. Die Autorin erzählt aus der Perspektive ihrer neunjährigen Tochter ihre eigene Brustkrebserkrankung und die folgenden Behandlungen. Dabei greift sie einfühlsam die kindlichen Ängste auf.

Ken Wilber: Mut und Gnade - In einer Krankheit zum Tode bewährt sich eine große Liebe - das Leben und Sterben der Trya Wilber. Scherz Verlag 1992.
Der Psychologe und Therapeut Ken Wilber beschreibt die Krebserkrankung und das Sterben seiner Frau Trya.
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Trauer und Abschied
Inge und Katrin Dillenburger: Inka - doch die Liebe bleibt. Groll-Dillenburger 1997.
Die Kinderbuchautorin Inge Dillenburger schildert den langen Weg des Abschiednehmens und der Trauer über den Tod ihrer Tochter, die an Brustkrebs stirbt. In Form von Tagebuchauszügen und Briefen fügt sie spritzige und turbulente Momente aus Katrins Leben ein.
Direktbestellung bei Inge Dillenburger: Tel. O7141/ 55888.

Karen-Susan Fessel: Ein Stern namens Mama. Oetinger 1999.
Wenn Menschen sterben, erzählt die Mutter ihrer Tochter Louise, werden sie zu Sternen. Ob die Mutter auf sie, ihren Bruder und den Vater nach ihrem Tod leuchtet, fragt sie sich und den Leser. Ein schönes, sinnliches Kinderbuch.

Elisabeth Kübler-Ross: Interviews mit Sterbenden. Droemer 1999.
Wie kann man mit schwerkranken Menschen umgehen? Was brauchen sie? Was denken sie? Frau Kübler-Ross zählt zu den bekanntesten Sterbeforschern und hat 5 Phasen des Umgangs mit dem Tod ausgemacht: Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandlung, Depression und Zustimmung. Ein einfühlsames Buch mit echten Erlebnissen, die traurig und versöhnend sind.

Birgit Lambers: Rat und Hilfe für den Trauerfall. Was muss ich wissen, was ist zu tun? Kösel 1999.
Ein praktischer Ratgeber für den Fall der Fälle. Vielen Angehörigen hilft das Abarbeiten der Formalitäten, um über den ersten Schock hinwegzukommen. Das Buch gibt einen Überblick von Fragen zur Todesbescheinigung, der Bestattung bis hin zum Mietvertrag und dem Testament.

Barbara Leisner: Abschied nehmen - Praktischer Rat und Hilfe in den Tagen der Trauer. Herder Verlag 1998.
Ganz praktische Dinge müssen in der schweren Zeit des Abschieds und der Trauer erledigt werden. Viele Angehörige stehen einem Papierwald gegenüber, dafür ist dieses Buch hilfreich.
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Filme
Cancer in Two Voices, USA 1993, R: Sandy Butler, Barbara Rosenblum.
Die Autorinnen geben in diesem sehr persönlichen Film berührende Einblicke in ihr gemeinsames Leben, ihren Umgang mit der Brustkrebserkrankung und das Sterben von Barbara Rosenblum.

Familiensache, One True Thing, USA, 1998, R: Carl Franklin, D: Meryl Streep, Renee Zellweger, William Hurt
Melodram: Durch die Pflege ihrer todkranken Mutter findet eine junge Journalistin zu ihrer Familie und zu sich selbst. Gleichzeitig muss sie sich mit Krankheit, Sterbehilfe und -begleitung auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzungen verändern das bisherige Familiengefüge radikal.

Ich möchte meine Eltern nicht verlieren.
Fliege, 08.10.02, Diagnose Krebs - wie sage ich es den Kindern.
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Erfahrungsbericht
Familiengeschichten
Zuerst die linke Brust...

Ich bin knapp 30 Jahre und meine Mutter erkrankte vor gut einem Jahr an Krebs, genauer an Brustkrebs. Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade 49.

Damals arbeitete ich in einer der großen politischen Stiftungen in Berlin. Es ging um die Vorbereitungen für eine Diskussionsveranstaltung zur Gesundheitsversorgung und -politik von Frauen am Beispiel von Brustkrebs. Das Thema rückte plötzlich dicht an mich heran, als ich Unterlagen zur Situation in Deutschland zusammenstellte: Ich recherchierte und las Artikel, Erfahrungs- und Krankheitsgeschichten von Frauen sowie medizinische Fachbeiträge. Die persönlichen Geschichten gingen mir besonders nahe. Und ich erinnerte mich an meine Oma, daran, wie ich sie das letzte Mal 1993 in Berlin-Buch erlebte. Eigentlich erkannte ich in dieser Frau meine Omi gar nicht mehr: abgemergelt, so schwach und schlapp, die Stimme irgendwie fremd. Und ich weiß noch genau, wie mich ihre Arme voller Blutergüsse erschreckt haben. Das kam von den Infusionen. Sie starb wenige Wochen später. Der Krebs hatte sie besiegt. Nach der zweiten Brustamputation hatte sie dann schließlich Metastasen im Rückenmark. Mutti erzählte später, dass es Momente gab, an denen Oma nicht mehr klaren Verstandes war und in den Schwestern, die sie versorgten, lauter Diebinnen sah, die nur darauf lauerten sie zu bestehlen. Ich konnte gar nicht mal weinen, so unfassbar erschien mir der Tod damals. Ich hatte einfach Angst und versuchte sie wegzuschieben. Aber ich wusste doch auch, dass mich das Thema wieder einholen könnte...

In dieser Zeit erfuhr ich, dass meine Mutter ins Krankenhaus muss. Gleich nach Pfingsten war ein Operationstermin anberaumt. Aber nichts Besorgnis erregendes, wiegelte Mutti auf meine Nachfragen hin ab. Vielleicht auch, um sich selbst zu beruhigen, dachte ich später.
Ich weiß gar nicht mehr genau, ab welchem Zeitpunkt ich mir ernsthafte Sorgen machte. Am Sonntag bin ich dann hingefahren ins Krankenhaus. Und da gab es schon den Verdacht auf Krebs. Doch irgendwie konnte noch niemand von uns so recht dran glauben, irgendwie hoffte ich, aber am meisten Mutti, dass alles ein Irrtum sei, zumal bei einer ersten Mammographie nichts Auffälliges entdeckt worden war. Es dauerte dann schließlich noch über eine Woche, bis sich der Verdacht bestätigte: Brustkrebs! Es wurde sofort operiert, amputiert. Die linke Brust musste ganz entfernt werden. Es gab lauter kleine Minikrebse in ihrer Brust, die nicht einzeln hätten herausgeschnitten werden können. Bei Oma war es auch zuerst die linke Brust.

Diese Tage, einerseits quälende Ungewissheit, immer die Hoffnung, dass sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheiten werden, und andererseits die Angst davor, mit der Diagnose nicht umgehen zu können. Ich fühlte mich oft so ohnmächtig, so betäubt, unwirklich, wie im falschen Film... Plötzlich drängten sich Themen wie Tod, Krankheit und Gebrechen in mein Leben. Themen, die ich bis dahin immer versucht hatte, herauszuhalten aus meinem Denken; zu unangenehm, zu angstbesetzt erschienen sie mir. Ich wollte doch nur die Sonnenseiten des Lebens erfahren. Alles andere kommt später, irgendwann, dachte ich - und machte mir so natürlich auch was vor. Die Vorstellung, dass sich mit dieser Krankheit alles verändern würde, nichts mehr so sein würde, wie es war, erfüllte mich mit Schrecken. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich am liebsten versteckt oder wie ein kleines Kind die Augen zugehalten, so nach dem Motto, wenn ich jetzt nichts sehe, bin ich für andere auch nicht mehr (un)sichtbar. Doch jetzt konnte ich ja nicht weggucken. Ich war mit der Wirklichkeit, die da hieß Krebs! tatsächlich konfrontiert, ob ich nun wollte oder nicht.

Und dann war ich mit dem Thema ja gleichzeitig noch theoretisch und politisch beschäftigt. Las, hörte und erfuhr in meinen Recherchen, wie katastrophal die Zustände bei Erkennung und Behandlung von Brustkrebs teilweise sind. Das trug nicht unbedingt dazu bei, gefasst mit dieser Diagnose umzugehen. Ich hatte mir schließlich auch gerade ein Wissen angeeignet, dass mich mit der nicht gerade zufrieden stellenden Situation in deutschen Krankenhäusern, mit der Unfähigkeit und Unsicherheit mancher ÄrztInnen konfrontierte. Und meine Mutter lag in so einem, zumindest in meinen Augen, Provinzkrankenhaus. Wer weiß, wie oft die Brustkrebspatientinnen betreuten im Jahr, wie qualifiziert sie für solche Erkrankungen waren. Ich sah auf einmal nur noch unfähige Ärzte, die falsche Diagnosen stellten, falsche Entscheidungen fällten und meine Mutter in medizinischen Händen, die ich nicht für ausreichend qualifiziert erachtete. Doch ich musste auch akzeptieren, dass Mutti operiert werden wollte, so schnell wie möglich, um den Krebs wegzuhaben und dafür den Verlust der Brust als das kleinste aller Übel empfand. Außerdem wollte sie sich gut aufgehoben fühlen, sie brauchte das und nicht meine panischen Besserwissereien. Es fiel mir schwer, mich zurückzuhalten.

Nach außen hin versuchte ich die starke Tochter zu mimen, innen tobten die Ängste, um meine Mutter - und auch um mich! Auf einmal rückte auch die Wahrscheinlichkeit näher, selbst an Krebs zu erkranken. Ich reagierte quasi symptomatisch: Zum ersten Mal hatte ich ein spürbares - und in diesem Fall sehr beunruhigendes - Ziehen in der Brust. Sofort holte ich mir bei meiner Frauenärztin Rat und einen Termin bei einem Radiologen, der eine Ultraschalluntersuchung machte. Ich bekam ein paar Tage später meine Regel. Trotzdem war ich froh, gleich zur Ärztin gegangen zu sein, denn ich konnte ihr auch von meinen Befürchtungen erzählen, und sie schlug mir vor - aufgrund meiner familiären Geschichte - regelmäßig zwei Mal im Jahr zur Ultraschalluntersuchung zu gehen. Ergänzend wäre auch eine regelmäßige Mammographie sinnvoll.

Mutti erholte sich recht schnell von der schweren Operation. Scheinbar leicht trug sie die Diagnose Krebs. Für sie stand an erster Stelle, wieder gesund zu werden. Sie wusste natürlich auch, dass der Krebs bereits gestreut hatte. Und es war klar, dass nach ersten Genesung weitere Behandlungen folgen würden, die die nächsten Monate bestimmen werden. In diesem Fall Chemotherapie und Bestrahlung. Am meisten aber machte ihr im Sommer zu schaffen, dass der bereits geplante Sommerurlaub mit Freunden für sie ausfallen würde. Später tröstete es sie etwas, dass die Reise insgesamt aufs nächste Jahr verschoben wurde.
Ich besuchte sie oft in diesem Sommer, öfter als sonst fuhr ich zu meinen Eltern. Und immer wieder hatte ich das Gefühl, die Situation noch nicht begriffen zu haben; doch das Leben geht ja weiter. Und der Krebs, das Sprechen darüber gehörten auf einmal eben dazu, irgendwie selbstverständlich und auch wieder nicht.
Ich habe mich mittlerweile im Zentrum Berlin für Familiären Brustkrebs beraten lassen, und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen werden von nun an zu meinen Arztterminen gehören. Das Risiko ist da, aber der bewusste Umgang mit dem Wissen und die Aufmerksamkeit für sich selbst sind größer geworden. Und ich fühle mich meiner Mutter wieder so nah, wie lange nicht mehr.


von Kerstin Böttcher
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